De Begriff "Rassismus"

Das Problem ist meiner Meinung, wie es @Marco13 auch schon erwähnt hat, dass der Begriff „Rassismus“ in seiner ursprünglichen Bedeutung nicht bedeutet, alle zu erschießen oder zu versklaven, sondern ist einfach eine Einteilung von Menschen nach Merkmalen.

Diese Einteilung findet übrigens auch unterbewusst in jeden von uns statt. Würde es sie nicht geben, hätten wir es schwer, uns in der Welt zurechtzufinden. Die indigenen Völker, zum Beispiel, wissen ziemlich genau, wer zu ihrer „Gruppe“ gehört, und wer nicht, und damit zum Beispiel eine Gefahr darstellen könnte…

Aber sei’s drum, das ist Politiker Sprech und keine Wissenschaft.

In der biologischen Taxonomie taucht der Begriff „Rasse“ nicht auf. Eine wirklich klare Definition des Begriffes gibt es nicht, wie so oft in den Sozialwissenschaften. Dementsprechend ist es auch schwierig, den (untrennbar damit verbundenen) Begriff „Rassismus“ klar abzugrenzen. Auf sehr hoher Ebene wird der Begriff aber schon nicht nur mit einer Einteilung verbunden, sondern auch mit einer Wertung.

Die Details sind kompliziert. Jeder Mensch wertet immer, und ständig, und das müssen wir. Problematisch kann es eben zum Beispiel(!) sein, wenn man eine Wertung von einzelnen Personen aufgrund ihrer Zugehörtigkeit zu einer bestimmten Gruppe vornimmt, wobei diese „Gruppe“ eben die „Rasse“ ist. Ein klassisches Beispiel ist eben, dass man Menschen auf Basis der „color of their skin“ und nicht des „content of their character“ beurteilt. Verallgemeinert stellt sich aber die Frage, welche „Wertung“ das ist, und auf Basis welcher Attribute man sie vornimmt. Und wenn man das zerpflückt, wirft es die Frage auf, welche Attribute denn die „Rasse“ ausmachen. Da gibt es (zu) viel Raum für Beliebigkeit.

Diese Beliebigkeit hat Folgen: Der Begriff „Rassismus“ hält, so wie er in den letzten Jahren zunehmend verwendet wird, der Last der Bedeutung nicht stand, die ihm aufgeladen wird. Wenn man heutzutage sagt „Ich mag keinen Döner“ muss man schon damit rechnen, deswegen als „Rassist“ bezeichnet zu werden (was sich nicht einer gewissen Ironie entbehrt, aber immer weniger lustig wird, je länger man darüber nachdenkt…). Ich finde, man sollte vorsichtiger sein, wann man diesen Begriff verwendet. Im Fall der Sache von Hanau scheint er aber (wie an anderer Stelle geklärt wurde) selbst bei sehr enger Definition des Begriffes angebracht zu sein.

Nicht mehr. Soweit ich weiß, wurde dieser nach dem WW2 aus allen Lehrbüchern gestrichen und bekam eine zunehmend negativ besetzte Bedeutung.

Das soll nicht heißen, dass ich eine Einteilung und Wertung von Menschen für gutheißen möchte. Aber wenn es schon um solche Themen geht wie, „Wie rassistisch ist eine KI“, dann ziehe ich mindestens eine Augenbraue hoch. :face_with_raised_eyebrow:

Wenn eine KI allen Brillenträgern eine bestimmte Eigenschaft zuordnen würde, wäre das noch akzeptabel. Würde selbiges mit einem Kopftuch geschehen, kann man quasi den Computer wegschmeißen, überspitzt formuliert.

Ich schon. Man muss Einteilungen und Wertungen von Menschen vornehmen. Und das tut auch jeder einzelne. Und das ist auch gut so. Und wenn jemand meint, es wäre falsch, bei Menschen einzuteilen und zu werten, steht er vor dem Dilemma, dass er ja Menschen einteilt in „diejenigen die einteilen und werten“ und „diejenigen die nicht einteilen und werten“, und bei ersteren die Wertung vornimmt, ihr Verhalten falsch zu finden.

Wie dieser kleine Ausflug in die Kunst des Barttrimmens schon zeigt, kann man sich dieser Frage sehr distanziert, theoretisch und philosophisch nähern. Aber leider ist das ganze Thema politisch und emotional so aufgeladen, dass viele diese Herangehensweise als unangebracht empfinden. Das heißt: Mit solchen Paradoxa können viele nichts anfangen (oft sind das die, die sagen, dass man als „weißer“ eigentlich ja gar nichts zum Thema „Rassismus“ sagen dürfte :roll_eyes: ).

Dass oft Wertungen vorgenommen, die ich für falsch halte, auf Basis von (oft äußerlichen) Attributen, auf Basis derer man meiner Ansicht nach solche Wertungen überhaupt nicht erst vornehmen sollte, ist aber vermutlich klar. Die daraus ableitbare Frage, auf Basis welcher Attribute man welche (Form von) Einteilung oder Wertung vornehmen „darf“, wird ebensowenig sinnvoll und allumfassend beantwortet werden können, wie einige der Fragen, die wirklich öffentlich diskutiert werden, wie etwa „Wie rassistisch ist eine KI?“, oder „Sollte man Überwachungsaufnahmen von Straftaten veröffentlichen, auf die Gefahr hin, dass Menschen dadurch ‚rassistisch werden‘?“. Der politische und emotionale Ballast machen eine wirklich sachliche Unterhaltung da leider oft schwierig bis unmöglich. Da halte ich mich dann eigentlich lieber raus.

In diesem Sinne, ganz nebenbei: Ich finde das Irish girl sunbathing - no, not her, the other one-Bild genauso unterhaltsam wie das See that black dude - no, not him, the other one-Bild :smiley:

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass in Deutschland ca. 800.000 Menschen daran erkrankt sind (manche akut schwer, manche remittend leicht)… So gesehen ist die Quote derjenigen, die so einen Anschlag verüben, doch ziemlich gering, findest du nicht auch? Oder anders, man macht es sich zu leicht, alles nur auf eine Erkrankung zu schieben.

Lange nicht mehr so einen Quatsch gehört.

Ja, gut, dann eben anders, wir haben etwa 0,000001% gewaltbereite Rassisten in Deutschland.

Die Frage ist, ob sich das noch weiter drücken lässt, indem man Begriffe weiter umschreibt.

0,000001% der in Deutschland lebenden Rassisten sind gewaltbereit? Oder sind 0,000001% der Deutschen gewaltbereite Rassisten? Oder leben 0,000001% der weltweit gewaltbereiten Rassisten in Deutschland? Und wie sieht es mit nicht gewaltbereiten Rassisten aus?

Super, du zerpflückst und verdrehst etwas meine Aussagen. Aber ich antworte dennoch. Wie viele Menschen wie oft, wann und wie intensiv „rassistisch denken“, also tendenziell zu etwas neigen oder auch nur über etwas nachdenken (worüber sie möglicherweise nicht nachdenken sollten), wird sich wohl kaum feststellen lassen, und das ist meiner Meinung auch gut so.

Jetzt bin ich nicht gut in Psychologie, aber wenn man jemandem sagt, denke nicht über rosa Elefanten nach, wird es für denjenigen ziemlich schwer werden, nicht an rosa Elefanten zu denken…

Und was ich eigentlich damit sagen will: Zu beurteilen, zu wie viel Prozent „rassistisch“ jemand ist, ist allenfalls eine Grenz-/Parawissenschaft.

Und im weltweiten Vergleich wird Deutschland auch nicht unterdurchschnittlich schlecht abschneiden. Das soll heißen, relativ gesehen gibt es hier fast keinen „Rassismus“. Dennoch ist das Erinnern, Ermahnen und Warnen nicht unangebracht. Nur wenn „vorschnell“ „verurteilt“ werden würde, wäre das schlecht.

So war das nicht gemeint, du hast die 0,000001% in den Raum gestellt und ich wollte wissen worauf die sich beziehen. Ich vermute Mal du meinst dass 0,000001% der Deutschen gewaltbereite Rassisten sind. Aber bei 83 Mio Einwohnern wären das ja nur nur 83. Das kam mir doch ein bisschen wenig vor.

Ein Verdrehen sehe ich da nicht. Und ein Zerpflücken ist angebracht. Wenn du so eine willkürliche Prozentzahl im den Raum wirfst, musst du damit rechnen. „800000, geringe Quote, 0,000001% …“ es gibt Begriffe, die selbst wenn man sich sehr viel Mühe gibt, zu viel Interpretationsspielraum haben. Darum sollte man sich doch ein bißchen um Präzision bemühen, um diesen Interpretationsspielraum im Rahmen eines sachlichen Diskurses etwas zu beleuchten. (Oder anders: Du könntest dich auch bemühen, Aussagen zu machen, bei denen man sich beim Zerfpflücken wenigstens ein bißchen Mühe geben muss…)

Das soll heißen, relativ gesehen gibt es hier fast keinen „Rassismus“

Du weißt vermutlich, dass es viele Leute gibt, die jetzt unterstellen würden, dass du das nicht beurteilen kannst, weil du weiß bist. (Die Leute wissen tendenziell - und speziell in diesem Fall - nicht, ob du weiß bist, und auch aus anderen (offensichtlichen) Gründen ist so eine Aussage problematisch, aber du müßtest damit rechnen).

Natürlich gibt es hier in Deutschland Rassismus. Den gibt es überall. Man kann ihn aber nicht quantifizieren. Wenn von 100 Leute sagen: „Schwarze Menschen sind genetisch minderwertig“, dann ist das rassistisch, und ein gewaltiges Problem. Wenn 100000 Leute sagen: „Schwarze Menschen können gut Basketball spielen“, dann kann man das auch als „rassistisch“ bezeichnen, und es sind viel mehr Leute, aber nicht wirklich ein „Problem“.

Viel von meiner Kritik an der Verwendung dieses Begriffes bezieht sich auch genau darauf: Der Begriff wird verwässert, ungenau verwendet, und auf Dinge angewendet, auf die er nicht zutrifft. Rassismus ist eine „Standgas-Unterstellung“. Es gibt kaum etwas, was heutzutage nicht als Form, Ausprägung, Folge oder Teilaspekt von „Rassismus“ bezeichnet wird. Wenn dann vom „allgegenwärtigen Äther des systemischen Rassismus“ geredet wird, und als Beleg dafür angeführt wird, dass auf Uncle Ben’s Reis eine schwarze Person abgebildet ist, oder sogar versucht wird, gegen diesen so genannten Rassismus vorzugehen, und heute wieder (wie schonmal 1934!) versucht wird, das Stadtwappen von Coburg zu ändern, weil … ja weil … jaaa… weil… es rassistisch ist, einen schwarzen als Schutzpatron zu verehren (?!), dann machen sich diejenigen, die das fordern, tendenziell lächerlich, und erschweren die Diskussion darüber, wie man „echtem Rassismus“ (und das muss man dann halt leider so nennen…) entgegen wirken könnte.